“Lithiumlücke bedroht die Verkehrswende”

Das berichtet VDI Nachrichten, das Portal für Ingenieure. Ein Kommentar von Eva Brunnemann

Das wirft sofort die Frage auf, von welcher Verkehrswende redet ihr? Was ist damit gemeint? Wenn
die Autoren vom Versuch ausgehen, „die heutige Fahrzeugflotte mit Lithium-Ionen-Akkus
abzubilden, kämen wir an ein großes Problem.“

Genau das ist ein Grund, ein durchaus wesentlicher, warum wir die heutige Fahrzeugflotte nicht
durch Elektro-MIV ersetzen sollen. Es ist ein Grund, die Anzahl der Autos stark zu reduzieren. Der
Ressourcenverbrauch für den MIV ist gigantisch und unnötig.

Wie sieht die Bilanz aus, wenn wir den Verkehr auf die Schiene bringen und den ÖPNV ausbauen?
Die Ingenieure sollten sich mit der Frage beschäftigen, wie sieht ein Mobilitätskonzept aus, das mit
möglichst geringem Ressourcenverbrauch auskommt? Wenn sich weiterhin deutsche/internationale Konzerne an den Lithium-Vorkommen in anderen Ländern und Kontinenten bereichern, bleiben sie auf dem Pfad, „koloniale Muster zu vertiefen“ und damit die Konflikte auf dem Planeten anzuheizen. Was nämlich den Abbauländern bleibt, ist der Dreck, verseuchtes Gebiet. Die Belastungen des Lithium-Abbaus für die Umwelt sind gravierend. Es werden Chemikalien zum Lösen des Lithiums eingesetzt, wobei auch Schwermetalle in die Umwelt gelangen. Beides kontaminiert das Grundwasser und gefährdet die Trinkwasserversorgung vor Ort. Kontaminiertes Wasser aus den Flüssen, das zur Bewässerung der Felder eingesetzt wird, vergiftet die Nahrungsmittel. Menschen in
Lateinamerika und Australien fehlt trinkbares Wasser, die Ernte auf ihrem Feld ist ungenießbar.

Darf das der Preis sein für unsere Elektromobilität? Ist das gemeint, wenn von „Entwicklungszusammenarbeit“ die Rede ist? Wie viel Verdrängungsleistung müssen wir weiterhin aufbringen, um uns moralisch überlegen zu fühlen und als Nachhilfelehrer für „unterentwickelte Länder“ aufzutreten, denen unsere überlegene Demokratie als Orientierungsmodell und Wertmaßstab dienen soll.

Reicher Mann und armer Mann standen da und sah‘n sich an.
Da sagt der arme bleich: wär ich nicht arm, wärst du nicht reich.

Bertold Brecht


Dieses Verhältnis, von Brecht sehr schön auf den Punkt gebracht, bestimmt nicht nur die
Beziehungen innerhalb von Staaten zwischen den Klassen, sondern es beschreibt auch die
Beziehungen zwischen Staaten.

Stephan Lessenich drückt es in den „Lebenslügen des Wohlstandkapitalismus“ so aus:

„Die in den reichen industriekapitalistischen Gesellschaften des globalen Nordens herrschenden
Produktions- und Konsum-, Arbeits- und Lebensweisen gehen systematisch auf Kosten und zu
Lasten der Lebenschancen großer gesellschaftlicher Mehrheiten in den ärmeren Gesellschaften des
globalen Südens.“

Stephan Lessenich

Es kommt ein zweiter Punkt hinzu. Was tun Menschen ohne Land, ohne Wasser, ohne Nahrung? Sie
setzen sich sicher nicht hin und warten auf den Tod, solange sie noch Kraft haben. Sie machen sich
auf den Weg, sie begeben sich auf die Suche nach bewohnbarem Land. Sie machen sich auf den
Weg in die Länder, die ihnen die Bodenschätze genommen und ihren Boden, ihr Wasser, ihre Luft
verseucht haben. Denn dort ist der Wohlstand, der ihnen vorenthalten wird. Verstärkt wird dieser
Effekt durch die Klimawandelfolgen, die in den Ländern des globalen Südens weitaus heftiger
ausfallen.

Es ist ein Teufelskreis, aus dem wir mit den Mitteln des Kapitalismus nicht herausfinden.
Auch den technikverliebtesten FahrDochPorsche Anhängern muss es einleuchten, dass jede Technikauf Bodenschätzen beruht. Hier sei auf die angekündigte Entkopplung vom Ressourcenverbrauch
durch die Digitalisierung hingewiesen. Ein großer Irrtum! Die Datenströme fressen enorme Mengen
Strom. Dieser eingeschlagene Weg ist der Highway to hell. Wir müssen ihn schleunigst verlassen.

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